Super 8

Was ist aus den Super-8-Vertrieben geworden?

Was geschah nach der Hoch-Zeit von Super 8....

Archiv Teubig

Aus „Die Leinwand“ – Ausgabe 2/1987

SAG MIR WO DIE FIRMEN SIND - WO SIND SIE GEBLIEBEN?

Sicher erinnern Sie sich,liebe Leser, noch ganz genau an jene Zeiten als man in den Foto-Film-Fachabteilungen der Kaufhäuser oder in Fotogeschäften den bunten Super-8-Spielfilmschachteln begegnete die in der Regel (pro Rolle) einen Preis von DM 149.- aufwiesen? Da fiel die Entscheidung noch schwer: UFA’s „Unser Willi ist der Beste“ wollte bei 4 Akten noch mit gut 600DM bezahlt werden, Piccolo’s „Weisser Hai“ tat’s noch bei zwei Filmteilen um 300.-DM und Marketings heute sehr gesuchte Dreiteiler auf Polyestermaterial, gehörten zum „Feinsten“ was man haben konnte. Auch Marketings Filme kosteten 149 DM pro 120m-Rolle – sahen die feinen Hartcover-Schachteln nicht aber so aus als wollten sie sogar mit vielleicht 169.-DM bezahlt sein?

Ja …. das waren noch Zeiten! Die drei großen Firmen teilten sich praktisch den Markt der für sie Millionen abwarf. Wir, die Kunden, standen mit zittrig-nassen Fingern von den meist prall gefüllten Regalen und träumten den (aussichtslosen) Traum vom Lottogewinn der dazu führen könnte das ganze Regal kaufen zu können.

Schöne Zeiten, nicht wahr; doch sie sind für den Rest der Tage dieser Welt vorbei. Da stellt sich die Frage was denn aus den Firmen eigentlich geworden ist? Womit verdienen sie heute ihr Geld; gibt es sie überhaupt noch? DIE LEINWAND ist der Frage nachgegangen und zieht nachfolgende Bilanz.

Piccolo FilmPICCOLO-FILM zog zu Beginn der 80er Jahre aus dem Vorort Oberschleißheim aus einem putzig wirkenden Pavillon um in das eben freigewordene BOLEX-Haus in Ismaning. Die Firma BOLEX hatte mangels Masse zum Rückzug geblasen. Piccolo-Film nahm die Chance der guten Adresse an der Oskar-Messter-Strasse wahr und zog in den großen Gebäudekomplex ein. Man brauchte viel Lagerplatz – für tausende und abertausende von Super-8-Filmen – dem Hauptzweig der Firma. Video wurde geboren und als Tochterfirma der Piccolo-Film entstand zunächst die Piccolo-Video Gmbh und dann die EuroVideo Bildprogramm Gmbh. Die Zeichen der Zeit waren unübersehbar geworden: Video marschierte los. Zunächst hingen die Gewichte noch in der Waage: Super-8 machte das „Geschäft“; Video schlich sich in den Markt ein. Bald hingen die Gewichte dann schief: Video gewann an Boden, wurde zum Goldrausch und der verunsicherte Film- und Fotofachhandel zog langsam aber spürbar nach. Mit dem Aufkommen der Videotheken und dem reissenden Absatz auch schlechtester Filme (oft parallel auf Super-8 und Video – man denke an die Zombie & Menschenfresser-Ära) verlor Super-8 im großen Spiel um die Gunst der Filmgucker. Was blieb waren Lizenzverträge mit UNIVERSAL-PICTURES, COLUMBIA, 20TH CENTURY-FOX und anderen, deren Filme auf Super-8 zur Auswertung anstanden. Nicht zu vergessen der DISNEY-Deal:

Super-8-Filme der Walt Disney-Productions gab es exklusiv nur von Piccolo-Film und auch nur zu entsprechend exklusiven Preisen.

Dank der enormen Abverkäufe von Disney-Super-8-Filmen (Das sensationelle Fußballspiel erreichte gar die 100.000er Marke!!!) durfte die Eurovideo-Piccolo Disney sehr bald auch auf Video vertrieben. Schnell waren der „Weisse Hai“,“Der Clou“,die „Lausbubengeschichten“ und andere Piccolo-Renner zu staubigen Regalverstopfern geworden – nichts ging mehr. Nur Disney-Filme gingen und gehen heute noch. Piccolo versuchte die Bestände zu „leichten“ Rabattpreisen abzusetzen. Eine Aktion die scheiterte. „Verschenkt“ a là UFA wurde jedoch nie etwas: bis heute lagern eine Vielzahl von S-8-Filmen in den „hinteren“ Regalen. Wer weiß …

Super-8 ist spätestens seit 1982 kein Thema mehr im Hause Piccolo-Film. Das umfangreiche Videoangebot hat absoluten Vorrang. Lizenzen wurden nicht erneuert, in Planung befindliche Filme nicht mehr realisiert und zum Teil sogar die Negative (!) der Schnittfassungen aus „Platz.- und Kostengründen“ vernichtet. They never come back. Zu schlechten „Video-Zeiten“ mag mancher im Hause noch an die gesalzenen Super-8-Umsätze gedacht haben. Die Video-Titelflut spülte aber stets alle nostalgischen Tränen vom Tisch der heutigen Wahrheit.

Mit seinem Stock (Video wohlgemerkt) an MGM-Filmen, DISNEY, EUROVIDEO, IMV TOUCHSTONE usw. hat sich die Firma zu einem der großen Videoanbieter hinaufgearbeitet. Kaum eine Videothek kann an EuroVideo-Titeln vorbei.

Ufa/Büscher-FilmGanz anders die UFA! Sie zählte als UFA-ATB-Büscher-Film zu den absoluten Marktführern im Super-8-Bereich. Nicht nur die Fülle, sondern auch die Qualität des Programms sorgten für „goldene“ Zeiten. MGM, WARNER und andere Firmen waren S-8-Programmlieferanten. Dreiteiler waren selbstauferlegte Pflicht und Vierteiler oder gar Komplettfassungen (2001, Laurel & Hardy) erfreuten das kaufwillige Publikum immer wieder. Waren die Sex-und Klamottenfilme die untere Spitze des Eisberges so waren Filme wie „Die Zeitmaschine“, „Meuterei auf der Bounty“, „Bonny & Clyde“ usw. ganz sicher die obere Spitze oder „erste Sahne“ wie man heute dazu sagt. Mit Video begann der Totalausverkauf. UFA räumte die Lager als wäre ein Großfeuer ausgebrochen; als gelte es zu retten was zu retten ist. Foto-Quelle als Großkunde wurde zum dankbaren Abnehmer des UFA-Stockes – man brauchte „Futter“ für die Foto-Quelle-Häuser die noch mit voller Power Super-8-Geräte propagierten obwohl der „Zug“ soeben den Bahnhof in Richtung Abstellgleis verlassen hatte. Schön für die Fans: noch wie war UFA so billig wie heute oder besser gesagt wie damals. Doch das Strohfeuer brannte schnell: nichts wurde nachkopiert und sogar von einer S-8-Veröffentlichung der „Rückkehr der Jedi-Ritter“ nahm man – obwohl hervorragende Umsätze zu erwarten waren – ängstlich Abstand. Lothar Büscher, der Mentor, Mitinhaber und Fürsprecher des Super-8-Films im Hause UFA stand bald auf verlorenem Posten. Er mußte mit Video seine Umsätze machen. Zunächst taten das die Titel die auch schon auf Super-8 erfolgreich gewesen waren: Die Wildgänse kommen, El Cid, 55 Tage in Peking usw.Doch als diese „Luft“ an A-Filmen verdampft war ging es streng genommen „täglich“ bergab. Durch interne Verknüpfungen des Bertelsmann-Konzerns,die Firmenverlegung von Essen/Düsseldorf nach München und die totale Umstellung auf Video zeigten Wirkung. Gute Titel wurden rar, das Video-Angebot verkam im Laufe der Jahre zu einem zweifelhaften Sammelsurium von B-und C-Filmen. UFA hat in der Videobranche zwar eine gewisse Bedeutung erlangt; zu den „Großen“ zählt das Unternehmen aber weder im finanziellen als auch im programmlichen Sinne.

marketing-filmMarketing-Film blieb dagegen seiner schon zu Super-8-Zeiten geprägten Devise treu: klein,aber fein und edel. Was erfolgreich im S-8-Sektor war, mußte auch bei Video funktionieren. Lieber 3 gute Titel im Jahr als 10 Schlechte. Für Marketing muß es bitter gewesen sein den plötzlichen „Verfall“ des Super-8-Marktes zu erleben: teure Lizenzen waren noch nicht immer eingespielt, eine Filiale in Amerika überlebte nur wenige Monate mit Komplettfassungen und so kamen auch Marketing-Filme in den Ausverkauf. Die Firmen. sind noch da, die Filme nicht mehr!

Autor: Michael Teubig

„Die Leinwand“ Ausgabe 2/1987

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Comment (1)

  1. Sicherlich endete mit den Super 8 Spielfilmveröffentlichungen von Piccolo-/Marketing-/Ufa Film eine Ära, zugleich startete aber eine über 10 Jahre anhaltende Epoche von Super 8 Enthusiasten (B.s.Kempski, Derann, Roger Vollstädt) welche zumeist Spielfilm in voller Länge auf einen kleinen überschaubaren Markt herausbrachten. Einige Veröffentlichungen (B.s. „Raise the Titanic“) hatten für Super 8 Verhältnisse eine superbe Bildqualität, welche Projektionen bis 8 Meter zuließen.

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