Super 8

Erotik

der 70er auf Super 8

Archiv Teubig

Aus „Die Leinwand“ – Ausgabe 5/1986

Erotische Filme auf Super-8

gehörten (gehören?) zu den Rennern im Geschäft quasi vom ersten Tage an. Erotische Filme sind nicht mit den sog. „Hardcore“-Streifen zu verwechseln die es ebenfalls in Massen gab und gibt. Wir haben das Angebot der ehemals führenden S-8-Hersteller gesichtet und sind reichlich fündig geworden!

Ganz sicher hat es wenig Sinn bei der Betrachtung von „erotischen Filmen“ im klassischen Sinne auf die „Inhalte“ näher einzugehen. Die Geschmäcker sind in diesem sensiblen Sektor doch allzu verschieden und was der Eine hervorragend findet ist für den Anderen nicht das Geld wert.

Insofern wollen wir hier nur angeben um welches Sujet es sich innerhalb der Gesamtgruppe handelt und auf Inhaltsangaben oder gar Bewertungen verzichten. Ausgenommen von dieser ohnehin kurzen Zusammenfassung sind natürlich indizierte Filme bzw. Titel. Da schon die Nennung innerhalb einer Zeitschrift als „Werbung“ von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften angesehen werden kann, lassen wir alle verfänglichen Titel einfach aus. Der interessierte Sammler findet sie ohnehin in den immer noch verfügbaren Katalogen der Hersteller und sollte sich da informieren. Kataloge (und noch dazu solche die eigentlich längst vergriffen bzw. ungültig sind) kann man nämlich kaum auf den Index setzen…

Beginnen wir jugendlich-unschuldig mit DIE KLEINEN PARISERINNEN, einer nett zusammengestellten 120m-Fassung des ca. 1981 gelaufenen Kinofilms. Eleonore Klarwein und Odile Michel erleben in nur 16 Min. Spielzeit erste Liebesleid- und Freud‘. Das Bild ist leicht maskiert (Breitwand) und leider ein wenig sehr körnig was mitunter bei den diffus ausgeleuchteten Szenen stört. Die Bestellnummer lautet 3101 und der Film ist noch von PICCOLO lieferbar. Ebenfalls von Piccolo zu empfehlen ist MELODY IN LOVE ein Dreiteiler (Best.-Nr. 5965/66/67) der selten schön kopiert ist und einen wunderbaren Ton hat. Eine Super-8-Leistungsschau sozusagen. Der Schnitt wird der etwas langweiligen Kinofassung voll gerecht und konzentriert sich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Höhepunkte des Films in dem übrigens auch Traumschiff-Stewart und Schwarzwaldklinik-Doktor Sascha Hehn zu sehen ist.

GOODBYE EMANUELLE (Best.-Nr. 5974/75) wird dem erfolgreichen ersten Teil als Nachfolger nicht ganz gerecht. Der Inhalt erscheint verworren und nicht logisch. Im Kino brachte man dafür noch Verständnis auf, hier scheint jedoch der Cutter nicht ganz bei der nackten Sache gewesen zu sein. Kopiert wurde offenbar von einer gut erhaltenen Kino-Kopie (es handelt sich um einen Columbia-Film) die allerdings schon einen kleinen Stich ins „rot“ aufweist. Das ist aber verschmerzlich in Anbetracht der reizenden Sylvia Kristel, die wieder die Titelrolle spielte.

Ein richtig deftiger Sex-Spaß mit einer Portion echtem Humor ist der Piccolo-Dreiteiler (Best.-Nr. 5971/72/73) NINOTSCHKA ZIEHT IHR HÖSCHEN AUS. In diesem Film wird der Klassiker Ninotschka/Silk Stockings ganz kräftig auf die nackte Schippe genommen. Die No-name-Besetzung kennt man aus vielen anderen Possen gleicher Machart. Die ausgezeichnete Bild-und Tonqualität macht den Film zudem sehenswert.

Viel nackte Haut (in Öl) bietet auch der Dreiteiler MASSAGESALON DER JUNGEN MÄDCHEN (Piccolo-Best.-Nr. 5968/69/70) mit Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann in ihren beinahe „klassischen“ Rollen als Sexkätzchen. Auch hier beweist das Super-8-Format seine bildlichen Qualitäten auf exzellente Weise. Die Ursachen sind klar: viele der bei uns angebotenen Filme wurden in Deutschland produziert und da war der jeweilige Weg zu gutem Ausgangsmaterial recht kurz. Häufig standen sogar Originalnegative oder eben noch nicht gespielte Kinokopien zur Verfügung. Das erklärt die durchweg optimale Qualität aller erotischen Filme auf Super- 8 die bei uns im Angebot sind.

Von „Vögeln und anderen Tieren“ berichtet in drei Super-8-Teilen der Piccolo-Film (Best.-Nr. 5976/77/78) BADEMEISTERREPORT. So ein Schwimmbadwächter kommt natürlich in allerlei prickelnde Situationen und eben die werden in diesem humorvollen Film aufgezeigt. Was sich da so alles zwischen Dusche, Becken und Umkleidekabine abspielt – sehen Sie selbst. Fast genauso amüsant sind die Erlebnisse der 6 SCHWEDINNEN IM PENSIONAT(UFA,Best.-Nr.451/ 52/53.). Die gutgebauten Blondinen bringen ein ganzes Pensionat das eigentlich „anständig“ ist anständig durcheinander. Nach dem Motto „Fritz liebt Grete und Grete liebt Fritz und Frank“ gibt es einen bunten Bettenreigen zu sehen. Auch bei UFA -und das gilt für alle nachfolgenden UFA-Filme – ist die Qualität aus den genannten Gründen durchweg gut.

Einen Minuspunkt in Sachen Qualität muß allerdings an den UFA-Film (Best.-Nr. 469/70/71) mit dem Titel DIE GROSSE ORGIE vergeben werden. Das Bild zittert und wandert umher als ob die Kopiermaschine dringend ein paar Tropfen Öl benötigt hätte! Das ist schade zumal auch der Ton ein merkwürdiges Klirren in den oberen Frequenzen aufweist. Eine „Montags-Kopie-Serie?“

Ingrid Steeger und die unvermeidliche Elisabeth Volkmann treffen wir in dem teils amüsanten und teils ernst gemeinten Film NACHTDIENST KANN SEHR LUSTIG SEIN (UFA Best.-Nr. 147/148/149) wieder. Der längst aus dem Repertoire gestrichene Film zählt zu den Besten seiner Art und taucht immer wieder auf. Allerdings – man merkt ihm an das er schon mehr als ein gutes Jahrzehnt auf dem Buckel (Verzeihung -dem Busen) hat. Manches was damals erotisch-prickelnd wirkte ist heute besehen bloß noch peinlich.

Das Prädikat „Peinlich“ trifft auch auf den HAUSFRAUENREPORT INTERNATIONAL zu. Der Dreiteiler (UFA Best.-Nr. 283/4/5) ist sowohl inhaltlich (halt – wir wollten keine Inhalte bewerten) als auch vom Schnitt her nicht vertretbar. Die Episoden wurden in sich zu stark gekürzt was einfach zu zuvielen Personen innerhalb des Films führte.

Im Zuge der in den 70er Jahren so beliebten Ostfriesenwitze entstand der Film DER OSTFRIESENREPORT der zwar die Bewohner dieses Landstriches an der Waterkant verunglimpfte, aber so besehen durchaus sehr komisch und lustig war. Auch die Bayern bekommen in dem Dreiteiler (UFA-Best.-Nr. 548/9/50) ihr Fett ab und selbst mit Abstand betrachtet kann man über die gezeigten Gags heute noch lachen. Übrigens erkennt man in dem Film Konstantin Wecker wieder, der heute als seriöser Liedermacher und Produzent bekannt ist; ob das wohl sein Film-Debüt war? Schon zu Blütezeiten der UFA wurde ein damals gestrichener Film wegen der großen Nachfrage neu aufgelegt.

Die Rede ist von DIE NONNE VON MONZA, einen Film der bei uns Kinogeschichte machte. Anne Heywood und Hardy Krüger gaben dem Film internationales Flair und seine Machart war sehr überzeugend. Ohne Zweifel ist dieser Streifen eine echte Perle im Angebot erotischer Streifen. Der Film mit der Bestellnummer UFA 076/77/78 ist zudem von bestechender Qualität in Bild und Ton. Wenn doch nur alle Spielfilme immer in dieser Qualität kopiert worden wären…

Ein internationaler Erfolg war auch Luigi Zampas Film WILDE BETTEN. Die Komödie mit Starbesetzung (Kristel, Andress, Antonelli, Vitti) brachte UFA unter der Best.-Nr. 377/78/79 heraus. Vom Schnitt her optimal gelungen bietet der Film ein leicht maskiertes, sehr scharfes (im wahrsten Sinne) Bild und einen Super-Ton!

Eis am Stil, UFA, 3x110m, 51min

Eis am Stil, UFA, 3x110m, 51min

Last but not least sei auf einen nett-frivolen Film verwiesen der internationale Reputation genießt und so etwas wie ein Sprungbrett (nicht Bett…) für Nasti Kinski, Marion Kracht und Carolin Ohrner war: LEIDENSCHAFTLICHE BLÜMCHEN (UFA 559/60/61/-994-Trailer). Die heiter-erotische Geschichte wurde in bewährter Hamilton-Fettlinsen-Manier eingefangen wobei die Super-8-Fassung alle Längen des Kinofilms überbrückt hat. Der Film bewegt sich schon im Grenzbereich zur echten Komödie wozu auch die EIS AM STIEL-Streifen zu zählen sind. Erotik auf Super-8-Filmen: das ist auch eine Spielart!

Autor: M. Teubig

„Die Leinwand“ Ausgabe 5/1986

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